Sunday, January 31, 2010

Frank Schirrmacher - Phrasen Shuffle im Half-Check-Modus


Ein großes Problem der FAZ ist, dass sie Herrausgeber und "Halb-Checker" Frank "Singletasking" Schirrmacher immer wieder kostenlos ganzseitige Werbeflächen für die Promotion seiner Einthesenbücher einräumen muss. Im Zeit-Magazin waren die letztgültigen Weltdeutungen des Helmut Schmidt gewissermaßen als letzte Zigarette ganz hinten im Heft zu finden. In der FAZ am Sonntag muss, wann immer die Buchabsätze des Herausgebers stocken, gleich die erste Seite des Feuilletons leergeräumt werden. Auch wenn - im Unterschied zu Aldi - nach dem Leerräumen nicht allzu viel wieder reingeräumt wird.

An diesem Sonntag hängt sich Schirrmacher, der iPod Shuffle unter den deutschen Medienphilosophen, aufmerksamkeitsökonomisch clever an die Präsentation des iPads. Und wie immer, wenn im technologiefeindlichen deutschen Feuilleton die Gedankenentwicklungswerkzeuge unzuläglich sind, greift man zum bewährten, Trick: Ist der Bohrer nicht besonders dick, dann lass ihn besonders lang erscheinen. So auch bei Schirrmacher, in dem das "irgendwo"-Unbehagen an dem ganzen Computerkram hinter pompösen Wortfassaden gärt, die nach außen simulieren, dass hier im Unterschied zu den verrückten Computernerds einem Stardenker ein ganz tiefer, philosophischer Zugang zu den Dingen gegeben ist. In Wirklichkeit drückt Schirrmacher gleichzeitig auf ganz viele dicke gelbe Tasten seines Wortlerncomputers (z.B. "endemisch"), bis auf dem Bildschirm reihenweise Fehlermeldungen erschienen.

Und so sehen sie auf der Kommandozeile aus, die Fehlermeldungen des auf Hochtouren im "verbosen" Halfcheck-Modus laufenden Frank-Schirrmacher-Phrasen-Shuffles (kurz fsps):

Eingabe: fsps -verbose -check=0.5 "Computer"
Fehlermeldung: "Computer sind die Matrix fast jeder privaten und staatlichen Kommunikation der Gegenwart."

Oder mit eingeschaltetem Marschall-McLuhan-Phrasen-Präprozessor:

Eingabe: fsps -verbose -check=0.5 -mmpp+ "Computer, Denken"
Fehlermeldung: "Computer sind einzigartige Innovationsantreiber, weil was mit ihnen geschieht, immer auch mit dem Denken geschieht."


Oder mit Viertelcheck-Einstellung:

Eingabe: fsps -verbose -check=0.25 -mmpp+ "iPhone, Aufmerksamkeitsökonomie"
Fehlermeldung: "Aber es könnte sein, dass das Plebiszit des Marktes - wie schon beim iPhone - der neuen Aufmerksamkeitsökonomie und der inhärenten Ideologie des Geräts zum Triumph verhilft."


Erfahrene Developer wissen, wie man diese Fehlermeldungen, die einen Großteil des FAZ-Artikels ausmachen, dahin lenkt, wo sie hingehören: ins Nulldevice. Um so schneller kann man sich dann ein Bild davon machen, was als lauffähiger Code überbleibt. In diesem Fall nicht viel.

Der Spaghetti-Code hinter dem Content Mockup
Der Zusammenhang von Technologie, Ökonomie und Gesellschaft ist nicht einfach, daher sollte ein guter Gedanken-Entwickler gerade dann, wenn er nur einen untertakteten Single-Thread-Prozessor zur Verfügung hat, bei vertrackten IF-THEN-Konstrukten dem vorzeitigen Gebrauch von abkürzenden GOTO Anweisungen widerstehen. Leider wimmelt es davon im Spaghetticode des Frank Schirrmacher. So entstehen zeilenweise Gedanken-Kurzschlüsse wie:

- Computer basieren auf Befehlen und wurden im militärischen Kontext erfunden, DAHER fördern sie totalitäres Denken.
- Weil das iPad kein Multitasking kann, werden wir alle entmündigt.
- Weil das iPad keine Tastatur hat, wird es keine Blogs mehr geben.

Alles in allem erinnert Frank Schirmachers Beitrag stark an sogenannte Software Mock-Ups. Ein Mock-Up ist eine zu Präsentationszwecken entwickelte, weitgehend vollständige Benutzeroberfläche eines Computerprogramms oder einer Website -ohne dahinter befindliche Funktionen. Klickt man bei einem Mockup auf ein Bedienelement, passiert entweder gar nichts, es erscheint eine Fehlermeldung oder es gibt gar einen Programmabsturz.
Die Ausbildungsredaktion der FAZ sollte ihre angehenden Content-Compiler ruhig ermutigen, öfter einmal auf die Oberflächenelemente des Herausgebers zu klicken, um festzustellen, was dann passiert.
Klick-Vorschläge:
"Der iPad könnte eine Verwaltungsreform der digitalen Welt mit erheblichen Konsequenzen signalisieren."
"Kontrollverlust des Einzelnen durch den digitalen 'Overmind'"
"Das Werkzeug verändert das Denken."

Weitere Anzeichen dafür, dass ein Mock-Up und kein genuiner geistiger Beitrag vorliegen könnte:

- Gebrauch von "irgendwo"
- Abgeschmackte Seitenhiebe auf Microsoft
- Monumentalthesen, die mit "es könnte sein" eingeleitet werden
- Das Erwähnen anderer Halbdenker, die auch gerade ein Nullthesen-Buch zum gleichen Thema herausgebracht haben, z.B. Jaron Lanier
- Das Zitieren ganz vieler "legendärer" oder "vielgelesener" Blogs und "brillanter Informatiker", weil die eigenen Gedanken trotz umständlicher Substantivierung dann doch nicht für eine ganze Zeitungsseite ausreichen.


If you cant' join them, beat them
Bei Frank Schirrmacher kommt aber noch eine weitere Mock-Up-Motivation hinzu: Die Verwendung von Artikelsimulationen für peinliche Retourkutschen. In diesem Fall an den Stern-Journalisten Dirk Liedtke, den er ausführlich inhaltsloser Interviews bezichtigt. Liedtke hatte Frank Schirrmacher in einer Nachbetrachtung zur DLD-Konferenz in München im Januar als "Halb-Checker" bezeichnet. Was ja noch geschmeichelt ist, da Frank Schirrmacher in seinem letzten Buch "Payback" gerade das Nicht-Checken zum Geschäftsprinzip erhoben hat. Seit Jahren quälen uns die Verlierer der Digitalisierung mit ihren Büchern, indem sie clever ein diffuses Unbehagen an der digitalen Kultur aufgreifen und in 17,95-Euro-Bücher umtexten, für die jede Menge unschuldige Bäume ihr Leben lassen müssen. Die wahre Verheißung der digitalen Welt ist doch nicht, dass wir bald jede beliebige Information kostenlos (free as in beer) konsumieren können, sondern, dass wir ganz schnell, ganz viel überflüssige Informationen absolut rückstandsfrei (free as in CO2-free) eliminieren können, ohne dass wir Bücher verbrennen müssen.

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