Monday, November 27, 2006

Die Emotionen der Deutschen: Angst, Wut und Trauer

Morgens steht der Deutsche auf und hat Angst, zu spät zur Arbeit zu kommen. Ist er erst mal da, dann arbeitet er voller Wut auf seinen Chef und in Trauer nach der guten alten Zeit, als alles besser war. Mittags hat er Angst, dass das Stammessen I schon alle ist und schlingt dann voller Wut Stammessen II in sich hinein. Das viele Glutamat dämpft seinen Missmut darüber, dass man in der Kantine nicht mehr rauchen darf, in eine dumpfe Trauer. Den Nachmittag über hat der Deutsche Angst, dass er seine Arbeit nicht bis zum Feierabend schafft und macht voller Wut eine halbe Überstunde, die er mit tiefer Trauer über die Steuerklasse I abstempelt. Auf der Autobahn tritt er aus Angst, dass er seine Lieblingsserie im Fernsehen verpasst, mit viel Wut aufs Gas. Wird er von einem schnelleren Auto überholt, beschleicht ihn die große Trauer, dass er sich in diesem Leben einen 5er BWM nicht mehr wird leisten können. Daheim isst der Deutsche sein Abendbrot voller Angst vor Nitrit und Gammelfleisch in der Wurst. Die Reportage, die im Fernsehen läuft, erfüllt ihn mit Wut auf die Chinesen, die den Ölmarkt leerkaufen und für die hohen Spritpreise verantwortlich sind. Mit Trauer über die Schlechtigkeit der Welt legt sich der Deutsche ins Bett, erfüllt von Angst, dass er nicht einschlafen kann von all der Wut und Trauer um ihn herum.